Begegnungen in der Traumwelt

Begegnungen in der Traumwelt 1

Träume sind lediglich eine andere Form der Wirklichkeit.

Mein Vater war vor einigen Tagen gestorben. Erwartet und doch plötzlich, wie das so geschieht. Von seinem Sterben und seinem Tod träumte ich viele Nächte und konnte häufig zwischen halbschlafenden Gedanken und Traumwelt nicht unterscheiden. Adrenalin und Gedankenbilder ließen mich immer wieder nur am Rande des Schlafes bleiben. Im Traum wusste ich aber immer, dass sein Tod Wirklichkeit war. Als er starb, lag er auf dem Bett, das Telefon in der Hand, die Augen geöffnet. Als hätte er noch etwas gesehen und noch etwas Wichtiges dieser Welt mitteilen wollen. Nicht bereit, zu gehen. Er wollte immer leben, eigentlich für immer, mindestens jedoch 100 Jahre alt werden. In Kontakt bleiben mit dem Leben. Mit seinem wachen Geist in einem klapprigen Körper.
In einer Nacht, kurze Zeit nachdem er aus dieser Welt geschickt worden war, trat er leibhaftig an mein Bett. Er war in ein leichtes Gewand gehüllt, eine Art Pyjama vielleicht. Ich konnte ihn riechen. Ein vertrauter Geruch, den er immer nach einem Arbeitstag mitbrachte und der mich als Kind immer zutiefst beruhigt hatte. Er wirkte entspannt, fast fröhlich dabei sehr entschlossen.
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Es geht uns gut

Sahnehäubchen Deutschland
Geboren 1945 – gestorben 2015

Es schien so still, schien friedlich.
Wir spielten Widerstand gegen Atom und Springer.
Hafenstraße NATO-Doppel-Beschluss.
Vietnamkrieg war ernst
Aber nicht hier
Another Brick in the Wall
Es geht uns gut.

Die Mauer fiel leise
Glasnost und Perestroika
Die Türme sackten zusammen
Erst nach dem Irak Krieg
In Afghanistan fielen nur die Russen
Es geht uns gut.

Dann wurde der Marsch Wirklichkeit
Den wir vorher sagten
Wie den Niedergang des Kapitalismus
Die Menschen kommen
Das Kapital vermehrt sich
Ein zweifelhafter Zugewinn.
Es geht uns gut.

Es wird lauter in unserer Welt
Bei uns, die wir Sterben nur von fern betrachtet.
Die gefallenen Diktaturen
Öffnen alle Grenzen aber doch nicht so
Faustisches Geschäft mit dem starken Mann vom Bosporus
Kostet seinen Preis
Es geht uns gut.

Amok in der Bahn. Berlin und überall
Willkommen alle
Und die zwanzig an der Elbe
Es geht so.

Wir brauchen keine parlamentarischen
Klugscheißer sagt der deutsche Polizist
So geht es nicht weiter.

Aserbaidschanischer Traum – eine Frau in Baku

Das Präsidentenhandy klingelte. Mahammad, der Präsident der sozialen Organisation, in der Narmina Geschäftsführerin war, rief sie heute Morgen bereits zum vierten Mal an. Das erste Mal erwischte er sie unter der Dusche, wo sie verzweifelt versuchte, mit den seifigen Händen Haltung zu bewahren und das Frösteln aus ihrer Stimme herauszuhalten. Sie hatte das Wasser mit ihren glitschigen Händen abgedreht und nahm nackt und nass die ersten Aufträge des Tages entgegen. Aufträge, die häufig mit ihren eigentlichen Aufgaben nichts zu tun hatten, sondern meistens mehr mit seinen Bankgeschäften. Geschäfte, die für Mahammad Sein oder Nichtsein zu bedeuten schienen. Nun musste sie sich beeilen, das Frühstück fiel aus. Ihr Fahrer wartete bereits seit einer Weile vor Ihrem Haus.

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Aldidente und Testosteron

1. Kapitel

Sie platzte förmlich in sein Büro. Atemlos. Groß, und natürlich blond, wie er es sich erträumt hatte; in den Tagen mit wenigen Mandanten, den Blick in den Hirschpark gerichtet, an den die Villa angrenzte. Hier hatte er als ´ Frank der Anwalt` in einem Anflug von Optimismus seine Kanzlei eingerichtet. Ihr Händedruck war vorsichtig, ihr Arm ausgestreckt und ihre Hand etwas feucht. So machte sie auf ihn Eindruck; aber die Furcht, die eine schöne Frau, zudem eine große, schlanke Frau bei ihm auslöste, wurde somit gleich relativiert. Auch Ihre Entschuldigung für die Verspätung, „das schwer zu erreichende Haus“, gefiel ihm. „Ich musste außerdem meine Tochter erste einmal unterbringen, die ist früher aus der Schule gekommen“. Er spürte ihre ganze Schwäche in diesen zwei Entschuldigungen in diesem Augenblick. Als verheirateter Mann im besten Alter, kurz vor fünfzig und dem Abfall des Testosteronspiegels, hatte diese Begegnung etwas von Gegenläufigkeit in der Abwärtsspirale seines Lebens. Zu Hause ausgezogen, von der Frau geflüchtet aus dem Würgegriff der Hollywoodschaukel und dem unbedingt erforderlichen neuen Möbeln, auf der Suche nach einer neuen Sekretärin. Möglichst einer fürsorglichen Person.
„Ja, ja“, sagte er etwas blöde und gab ihr gleich noch einmal die Hand. Als Anwalt brauchte er eine gute Sekretärin, eine sehr gute, dennoch, es war nach diesem ultimativen Moment gleich klar, dass er sie nicht weiter zu ihren Fähigkeiten und Referenzen befragen würde.

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